Eine ETF-Rente ist eine fondsgebundene Rentenversicherung der dritten Schicht mit Halbeinkünfte-Steuermantel ab 12 Jahren Laufzeit + 62 Jahren Alter. Das Altersvorsorgedepot ist eine geförderte Schicht-2-Lösung mit ähnlichem Steuermantel auf dem ungeförderten Teil – plus staatliche Zulage. In den meisten Konstellationen schlägt das Altersvorsorgedepot die Fondspolice, weil die Förderung kostenlos hinzukommt und der 1-%-Kostendeckel deutlich unter typischen ETF-Renten-Kosten (1,5–2,5 %) liegt.

Was sind Fondspolice und Altersvorsorgedepot?

Eine ETF-Rente ist eine fondsgebundene Rentenversicherung. Der Versicherer ist juristischer Eigentümer der Anteile; der Sparer hält einen Versicherungsvertrag. In der Praxis investiert die Police in ETFs oder Fonds. Steuerlich gilt sie als Produkt der dritten Schicht (private Vorsorge ohne staatliche Förderung).

Das Altersvorsorgedepot ist ein direktes Wertpapierdepot: Du bist juristischer Eigentümer der ETF-Anteile, der Anbieter (Bank/Broker) ist Verwahrer. Steuerlich ist es in der zweiten Schicht (geförderte Vorsorge) angesiedelt – auf dem ungeförderten Teil hat es aber die Eigenschaften eines Schicht-3-Mantels.

Wie unterscheiden sich beide Vorsorge-Modelle?

MerkmalETF-Rente (3. Schicht)Altersvorsorgedepot
Staatliche Zulagekeinebis 540 € + 300 €/Kind
Steuern Ansparphasesteuerfrei (Mantel)steuerfrei (kein Vorabpauschale)
Halbeinkünfte bei Auszahlungab 12 J. + Alter 62nur ungeförderter Teil (Eigenbeitrag 1.801–6.840 €/J)
Geförderter Teil Auszahlungvoll nachgelagert besteuert
Effektivkosten0,9–1,5 % p. a. (Honorartarife 0,5–0,8 %)max. 1,0 % p. a. Standarddepot (real ~0,5 %)
Eigentum am KapitalVersicherer (Sondervermögen)Sparer direkt
Anbieterwechseloft hohe Stornokostenmax. 150 € in 5 Jahren
Verrentungklassisch (Rentenfaktor)flexibel (Auszahlplan, Rente, Mix)
Beitragsgarantieoptional (kostenpflichtig)nein
Selbstständige förderfähigja
Vererbung im Todesfallversicherungsrechtlich (oft günstig)steuerneutral (Wertpapierdepot)

Was ist der wichtigste Unterschied – die Kosten?

Der einzelne entscheidende Faktor über 30 Jahre Laufzeit ist die Kostenbelastung. Bei einer typischen Provisions-ETF-Rente mit 1,5 % Effektivkosten und 6 % Marktrendite bleiben dem Sparer 4 % nach Kosten. Beim Altersvorsorgedepot-Standarddepot mit 0,5 % Kosten (typischer Anbieter) bleiben 5,5 %. Bei 100 € Sparrate über 30 Jahre macht diese 1,5-%-Differenz rund 30.000 € Endkapital aus – nur durch geringere Kosten, ohne Förderungseffekt.

Wer eine Provisions-ETF-Rente mit 1,5 % Effektivkosten kauft, verschenkt über 30 Jahre rund 30.000 € – nur an Kosten. Der Steuermantel wiegt das selten auf.

Wann ist die ETF-Rente trotzdem sinnvoll?

  • Vererbung: Im Todesfall werden Versicherungsleistungen oft steuergünstiger an Begünstigte ausgezahlt als Wertpapierdepots.
  • Frühere Halbeinkünfte: Auszahlung ab 62 möglich – das Altersvorsorgedepot hingegen erlaubt Auszahlung erst ab 65.
  • Hartz-IV-Schutz: Bestimmte Rürup-/Riester-Verrentungen sind in Insolvenz und Bürgergeld-Situationen geschützt.
  • Rentenfaktor: Wer den finanziellen Aufwand einer lebenslangen Rente sicher kalkulieren will, schätzt den Versicherer-Rentenfaktor.

Wann ist das Altersvorsorgedepot besser?

In den meisten Standardfällen schlägt das AVD die Fondspolice:

  • Wer förderberechtigt ist (also fast alle), bekommt bis zu 540 € Zulage gratis.
  • Wer den 1-%-Kostendeckel nutzt, spart über 30 Jahre einen sechsstelligen Betrag im Vergleich zu typischen ETF-Renten.
  • Wer flexibel in der Auszahlphase bleiben will (Auszahlplan statt klassischer Rente), hat im AVD mehr Optionen.
  • Wer den Anbieter wechseln können will, zahlt im AVD maximal 150 € statt der häufigen Stornokosten bei Versicherungen.

Lohnt sich eine Kombination beider Modelle?

Für Sparer mit hohem Spar-Wunsch (über 200 €/Mt) kann eine Kombi-Strategie Sinn ergeben:

  1. Bis 1.800 €/Jahr → Altersvorsorgedepot (volle Förderung, niedrige Kosten).
  2. Darüber hinaus → Fondspolice, wenn dir frühe Halbeinkünfte ab 62 oder spezielle Erbschaftsregelungen wichtig sind.
  3. Alternative: Den Über-150-€-Anteil ebenfalls ins Altersvorsorgedepot ungefördert einzahlen – Steuermantel bleibt erhalten, Auszahlung erst ab 65.

Welche Strategie für dich passt, hängt von Alter, Steuersatz und Liquiditätsbedarf ab. Mehr dazu im Ratgeber Wie spare ich mehr als 150 €/Mt fürs Alter? und im Strategie-Rechner.

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Altersvorsorgedepot-Guide Redaktion
Unabhängige Reform-Recherche · Quellen Bundestag, BMF, Bundesregierung. Keine Anlageberatung.