Die Förderung im Altersvorsorgedepot ist auf 1.800 € pro Jahr (= 150 € pro Monat) begrenzt. Wer mehr fürs Alter sparen will, hat drei Strategien: (A) alles ins Altersvorsorgedepot – der überschießende Teil bleibt ungefördert, profitiert aber vom Halbeinkünfte-Mantel; (B) 150 € ins AVD plus ETF-Rente für den Rest – mit klassischer 3.-Schicht-Logik; (C) 150 € ins AVD plus freier ETF-Sparplan für maximale Flexibilität.

Warum ist die Grenze 150 € pro Monat?

Die Reform sieht eine prozentuale Förderung vor: 50 % auf die ersten 360 €, 25 % auf Beiträge bis 1.800 €. Oberhalb von 1.800 € pro Jahr (= 150 €/Mt) gibt es keine Zulage mehr. Der Sonderausgabenabzug ist auf 3.500 € pro Jahr gedeckelt – wer mehr einzahlt, hat hier ebenfalls keinen weiteren Steuervorteil.

Du kannst aber bis zu 6.840 € pro Jahr ins Altersvorsorgedepot einzahlen (Eigenbeitrag). Der Teil zwischen 1.801 € und 6.840 € bleibt ungefördert, profitiert aber vom Halbeinkünfteverfahren in der Auszahlphase – ähnlich wie eine ETF-Rente der dritten Schicht.

Strategie A: Alles ins Altersvorsorgedepot

Du zahlst dein gesamtes Sparbudget – sagen wir 250 € pro Monat – ins Altersvorsorgedepot. Die ersten 150 € sind gefördert (Zulage), die nächsten 100 € sind ungefördert.

  • Vorteil: Auch der ungeförderte Teil profitiert vom Steuermantel: kein Vorabpauschale, Halbeinkünfteverfahren bei Auszahlung. Ein einziger Vertrag, ein Anbieter.
  • Nachteil: Das gesamte Geld bleibt bis zum 65. Lebensjahr gebunden – auch der ungeförderte Teil.
  • Wann sinnvoll: Wenn du das Geld definitiv für die Rente brauchst und Komplexität minimieren willst.

Strategie B: 150 € AVD + ETF-Rente

Du zahlst 150 € ins Altersvorsorgedepot (volle Zulage) und 100 € in eine separate ETF-Rente (3. Schicht).

  • Vorteil: Die ETF-Rente erlaubt Auszahlung bereits ab 62 (statt 65). Spezielle Erbschafts-Vorteile durch Versicherungsmantel.
  • Nachteil: Provisions-ETF-Renten haben Effektivkosten von 1,5–2,5 %, schlanke Honorartarife liegen bei 0,5–0,8 % als das AVD-Standarddepot. Anbieterwechsel ist teurer.
  • Wann sinnvoll: Wenn die frühere Auszahlung ab 62 wichtig ist, wenn klassische Verrentung mit garantiertem Rentenfaktor gewünscht ist oder bei speziellen Erbschafts-Szenarien.
Achtung: Eine ETF-Rente ist nur sinnvoll bei einem seriösen, kostengünstigen Honorartarif. Provisionsbasierte Anbieter mit hohen Abschlusskosten verbrennen den Steuervorteil schnell wieder. Tipp: ausschließlich Netto-/Honorartarife vergleichen, Effektivkosten unter 0,8 % p. a.

Strategie C: 150 € AVD + freier ETF-Sparplan

Du zahlst 150 € ins Altersvorsorgedepot (volle Zulage) und 100 € in einen freien ETF-Sparplan beim selben oder einem anderen Broker.

  • Vorteil: Maximale Flexibilität. Du kommst jederzeit ans Geld – für Hauskauf, Studium der Kinder, Gründung. Kosten sehr niedrig (0,1–0,3 % TER).
  • Nachteil: Vorabpauschale jährlich, Abgeltungsteuer (26,375 %) auf Gewinne bei Verkauf. Steuerlich der teuerste Weg.
  • Wann sinnvoll: Wenn dir Flexibilität wichtiger ist als Steuer-Effizienz. Klassisch für junge Sparer, die noch nicht wissen, wann sie das Geld brauchen.
Auch der ungeförderte Teil oberhalb der 1.800-€-Grenze profitiert vom Halbeinkünfte-Verfahren im Altersvorsorgedepot – das ist der unterschätzte Vorteil von Strategie A.

Welche Strategie gewinnt rechnerisch?

Modellrechnung mit 250 € Sparrate über 30 Jahre, 6 % Marktrendite, 30 % Steuersatz im Ruhestand. Korrekte Steuerlogik: geförderter AVD-Teil voll versteuert, ungeförderter Teil Halbeinkünfte:

StrategieNetto-EndkapitalBindungsfrist
A: alles ins AVD~ 226.000 €bis 65
B: 150 AVD + 100 ETF-Rente~ 218.000 €bis 62 / 65
C: 150 AVD + 100 freier ETF~ 215.000 €flexibel / 65

Annahmen: 0,5 % AVD-Kosten, 2,0 % ETF-Renten-Kosten (Provisionstarif), 0,3 % Vorabpauschale-Effekt im freien ETF, 26,375 % Abgeltungsteuer auf ETF-Gewinne. Mit dem Strategie-Rechner kannst du deine eigenen Werte einsetzen.

Welche Strategie passt zu welchem Profil?

  • Standardfall (60–70 % aller Sparer): Strategie A oder C – einfach, kostengünstig, klar.
  • Strategie A wählen, wenn: Du das Geld sicher fürs Alter sparst und keinen Liquiditätsbedarf vor 65 hast.
  • Strategie C wählen, wenn: Du noch jung bist (unter 35) und Flexibilität für mögliche Lebens-Wendepunkte willst.
  • Strategie B prüfen, wenn: Frühe Auszahlung ab 62, Erbschafts-Effekte oder klassische Verrentung wichtig sind.

Falls du unsicher bist, welche Strategie für dich passt, trag dich auf die Warteliste ein – wir entwickeln zum Marktstart gemeinsam einen Plan, der zu deiner Lebenssituation und deinem Steuersatz passt.

AG
Altersvorsorgedepot-Guide Redaktion
Unabhängige Reform-Recherche · Quellen Bundestag, BMF, Bundesregierung. Keine Anlageberatung.