Ein freier ETF-Sparplan ist maximal flexibel, ungefördert und mit Vorabpauschale + Abgeltungsteuer belastet. Das Altersvorsorgedepot ist ein gebundener ETF-Sparplan mit Zulage (bis 540 €/Jahr) und niedrigeren laufenden Steuern – allerdings kannst du das Geld erst ab 65 nutzen.
Für die meisten Sparer mit 15+ Jahren Anlagehorizont schlägt das Altersvorsorgedepot den freien ETF rechnerisch. Aber: Der Vorsprung ist deutlich kleiner als oft behauptet, weil der geförderte Teil in der Auszahlphase voll versteuert wird – nicht über Halbeinkünfte. Wer auf Flexibilität nicht verzichten kann, nimmt den freien ETF. Optimal ist die Kombination beider Konten.
Wie unterscheiden sich ETF-Sparplan und Altersvorsorgedepot?
| Merkmal | Freier ETF-Sparplan | Altersvorsorgedepot ab 2027 |
|---|---|---|
| Staatliche Zulage | keine | bis 540 € + 300 €/Kind |
| Anlageuniversum | ETFs, Aktien, Fonds (frei) | ETFs, Fonds, Aktien |
| Beitragsgarantie | nein | nein |
| Verwaltungskosten | 0,1–0,3 % p. a. (typisch) | max. 1,0 % p. a. Standarddepot |
| Steuern Ansparphase | Vorabpauschale + Abgeltungsteuer auf Umschichtungen | steuerfrei |
| Steuern Auszahlung | 26,375 % auf Gewinne | geförderter Teil: voll nachgelagert besteuert · ungeförderter Teil: Halbeinkünfte |
| Verfügbarkeit | jederzeit | ab 65. Lebensjahr |
| Anbieterwechsel | jederzeit, kostenlos | formloses Schreiben, max. 150 € Gebühr |
| Pfändungsschutz | kein besonderer | besonderer Pfändungsschutz |
| Selbstständige förderfähig | — | ja |
Wie wird das Altersvorsorgedepot tatsächlich versteuert?
Das ist ein wichtiger Punkt, der oft falsch dargestellt wird. Das Altersvorsorgedepot kennt in der Auszahlphase zwei Steuer-Töpfe:
- Geförderter Teil – Eigenbeiträge bis 1.800 €/Jahr (= 150 €/Mt) inklusive Zulagen und Erträge: Die gesamte Auszahlung wird im Auszahljahr (oder jährlich bei Rente) voll mit deinem persönlichen Steuersatz versteuert – nachgelagerte Besteuerung, wie bei der Riester-Rente. Es gibt keinen Halbeinkünfte-Bonus auf diesen Topf.
- Ungeförderter Teil – Eigenbeiträge zwischen 1.801 € und 6.840 €/Jahr inklusive Erträge: Bei Einmalauszahlung nach 12 Jahren Vertragslaufzeit und ab Alter 62 greift das Halbeinkünfteverfahren. Nur 50 % der Gewinne sind steuerpflichtig.
In der Praxis heißt das: Wer monatlich 100 €/Mt = 1.200 €/Jahr einzahlt, liegt vollständig im geförderten Topf. Die spätere Auszahlung wird komplett voll versteuert. Erst ab 151 €/Mt fließt etwas in den günstiger besteuerten Halbeinkünfte-Topf.
Was lohnt sich rechnerisch? Beispielrechnung mit 100 €/Mt
Wir vergleichen einen Sparer, 35 Jahre alt, der monatlich 100 € spart, ein Kind hat und 6 % p. a. Marktrendite annimmt. Persönlicher Steuersatz im Ruhestand: 30 %.
- Freier ETF-Sparplan: 100 €/Mt × 30 J. + Vorabpauschale-Effekt (~−0,3 % p. a. Renditeminderung) = ca. 108.000 € Brutto-Endkapital. Nach Abgeltungsteuer von 26,375 % auf Gewinne: rund 79.000 € netto.
- Altersvorsorgedepot: 100 €/Mt + 690 € jährliche Zulage (1 Kind) × 30 J. mit 6 % p. a. = ca. 155.000 € Brutto-Endkapital. Da der gesamte Beitrag im geförderten Topf liegt, wird die Auszahlung voll mit 30 % versteuert: rund 108.500 € netto.
Die Differenz zugunsten des Altersvorsorgedepots beträgt in diesem Modell rund 29.500 € netto – etwa die Hälfte dessen, was alte Vergleichsrechnungen mit falscher Halbeinkünfte-Annahme suggeriert haben. Trotzdem deutlich zugunsten des AVD.
Wann lohnt sich der freie ETF mehr?
- Du brauchst dein Geld vor dem 65. Lebensjahr – Hauskauf, Kinder-Studium, Sabbatical, Existenzgründung.
- Du sparst Beträge, die jenseits der 1.800 €/Jahr-Grenze liegen – hier verlierst du die Zulage ohnehin. Mehr dazu im Strategie-Ratgeber.
- Du hast einen sehr kurzen Anlagehorizont (unter 10 Jahre).
- Du willst maximale Flexibilität bei Anbieter und Allokation.
Wann lohnt sich das Altersvorsorgedepot mehr?
- Du sparst langfristig (15+ Jahre Anlagehorizont).
- Du gehörst zu einer förderintensiven Gruppe: Geringverdiener, Familie mit Kindern, Selbstständige.
- Du willst gar nicht an das Geld vor Renteneintritt – das ist der Punkt einer privaten Altersvorsorge.
- Du suchst maximale Steuer-Effizienz in der Ansparphase und niedrige Kosten.
Was ist die optimale Strategie?
Für die meisten Sparer ergibt eine Kombination beider Konten den größten Sinn:
- Erste 150 € pro Monat → Altersvorsorgedepot. Damit holst du die volle Förderung ab.
- Weitere Sparbeträge → freier ETF-Sparplan oder ungeförderter Anteil im AVD. Hier zählt die Frage: Brauche ich Flexibilität (freier ETF) oder maximalen Steuermantel (AVD ungefördert oder ETF-Rente)?
Die Strategie-Frage „Was machst du mit dem 151. Euro?" beantworten wir ausführlich im Ratgeber Wie spare ich mehr als 150 €/Mt fürs Alter? und im Strategie-Rechner.
Fazit: Was lohnt sich für dich?
Wenn du eines der folgenden Profile hast, ist das Altersvorsorgedepot rechnerisch die bessere Wahl: lange Laufzeit, hohe Förderquote (Familie, Geringverdiener, Selbstständige). Wenn du Flexibilität brauchst oder hohe Sparraten oberhalb 1.800 €/Jahr hast, ist der freie ETF (oder eine Kombi-Strategie) sinnvoller. Für individuelle Berechnungen ist unser ETF-vs-AVD-Rechner der schnellste Weg.